Habla conmigo
Ich habe einen goldenen Koffer und wandere damit nach Bolivien, Südamerika. Den Koffer hat mir meine Mutter, die Schweiz, geschenkt, und in ihm haben immer die wesentlichen Dinge Platz, die ich zum Leben brauche. Ausser Begegnungen. Die müssen immer wieder neu entstehen.
Ich war beteiligt an einer Ausstellung mit Performances mit mehreren europäischen und bolivianischen Künstlern im Museo Tambo La Paz. Wir waren aufgefordert, unsere Kunst dort zu zeigen. Am Anfang war ich ratlos. Was soll ich hier zeigen, und warum? Ich wollte keine meiner in Europa entstandenen Performances aufwärmen. Ich wollte erst einmal herausfinden, wo ich war, was das für ein Land ist, was für Menschen. Zu wem setze ich mich hier überhaupt in Bezug? Und so entstand “Habla conmigo”. Ich reiste eine Woche durch die Anden, und verbrachte zwei Wochen auf öffentlichen Plätzen in La Paz. Immer stellte ich ein Schild auf, das die Leute aufforderte, mit mir zu sprechen (“Habla conmigo). Aus einer Reihe von Fragen, die auf Karten notiert waren, konnten die Leute eine ziehen. Damit war das Thema des Gesprächs bestimmt: Fragen nach der Gemeinschaft, nach der Beziehung zwischen Euroa und Bolivien, Fragen der politischen Perspektive, und kultuerller Geprägtheit. Aus den Gesprächen entstanden Texte und Porträts, die ich im Museum als “Wandbuch” dem Besucher zugänglich machte - eine Wand voller Bilder und Texte über meine Begegnungen mit Bolivianern. Während der gesamten Ausstellung setzten Kunststudenten die Habla conmigo-Performance im Museum selbst mit Besuchern weiter fort. Hier einige Auszüge (Fotos und Texte)
des Wandbuchs.
Konzept, Performance:
Andreas Liebmann
Kurator:
Harm Lux
Produktion
Museo Tambo, La Paz
Textbeispiel 1
Textbeispiel 2
Mein Vater war Jude und ist Christ geworden, weil mein Grossvater ihm sonst meine Mutter nicht zur Frau gegeben hätte. Mir ist das Dach über dem Kopf zusammengebrochen. Ich habe kein Geld. Meine Beine schmerzen. Mein Leben ist traurig. Meine Ernte ist verhagelt. Sind in Europa alle Atheisten? Da müssen es Christen schwer haben. Aha, da gibt es Kirchen. Aber warum bist du nicht Christ?
Mi padre fue judío y se convirtió en cristiano porque si no mi abuelo no le hubiera entregado a mi madre. Se me cayó el techo sobre mi cabeza. No tengo dinero. Mis piernas me duelen. Mi vida está triste. Mi cosecha ha sido destruida por el granizo.
¿En europa todos son ateístas? Entonces los cristianos deen pasarla muy mal. O allí hay muchas iglesias. ¿Pero, por qué no eres cristiano?
Was Armut ist? Kann ich dir erklären: Kinder tragen ein Jahr lang dasselbe T-shirt und sterben an Durchfall. Ich glaube an die Erschaffung der Welt in sechs Tagen vor 6000 jahren. Und du?
Ich wohne hundert Meter über der Strasse und sehe den Illimani.
¿Que es la pobreza? Te puedo explicar, los niños usan todo un año la misma polera y mueren de diarrea. Yo creo en la creación del mundo en seis días hace 6ooo años. Y tu? Vivo cien metros de la calle y veo el
Illimani.
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